
Recovery bedeutet sinngemäß "Genesung, Gesundung, Erholung" von einer schweren psychischen Beeinträchtigung/Erkrankung. In einem Recovery-Prozess geht es darum, sich aus den Beschränkungen der Patient:innenrolle hin zu einem selbstbestimmten, sinnerfüllten Leben zu entwickeln.
Frau Dr. Amering , die bekannte Wiener Psychiaterin, meint in ihrem Buch "Recovery. Das Ende der Unheilbarkeit", dass der Aufbau von Resilienz (Widerstandskraft) ein essenzieller Vorgang im Heilungsprozess ist, um die Person vor Resignation und Selbststigmatisierung zu bewahren.
Ich bin seit vielen Jahren in der sozialpsychiatrischen Tagesstruktur aKKu des Vereins GFSG (Gesellschaft zur Förderung seelischer Gesundheit) als Ergotherapeutin, Mal- und Gestaltungstherapeutin, Yogalehrerin und Bezugsbetreuerin tätig.
In dieser Zeit habe ich viele Menschen erlebt, die schwere psychische Krisen durchmachten, die sie oft an den Rand des Ertragbaren brachten. Aber ich habe immer wieder auch erlebt, wie Lebenskraft, Entspannung, Zuversicht und Lebensfreude in das Leben dieser Menschen zurückkehrten. Diese Beobachtungen ließen in mir die Überzeugung wachsen, dass wir Menschen lernen können, mit den Herausforderungen unseres Lebens umzugehen. Und dass es in uns einen psychischen Prozess gibt, der immer wieder die Entfaltung in unsere Ganzheit und Heilung unterstützt.
Hildegard von Bingen beschrieb diesen Vorgang als "grüne Lebenskraft, die den Menschen immer wieder neu schafft."
Hilfreich dabei ist, wenn man seinen Weg nicht völlig alleine zurücklegen muss sondern wenn es Wegbegleiter:innen gibt. Auch ich sehe mich als Wegbegleiterin. - Gemeinsam das Schwere aushalten, gemeinsam an die Wandlung zum Guten glauben. Gemeinsam erste Schritte gehen, Rückschritte überwinden und sich wieder dem jeweiligen Ziel annähern.
Stimmenhören, Halluzinationen & Co
In meiner langjährigen Tätigkeit hatte ich mit vielen Menschen zu tun, die unter den Symptomen des Stimmenhörens und und verschiedener anderer Halluzinationen litten. Durch eine fundierte Weiterbildung des efc-Instituts (erfahrungsfokussierte Beratung) und die persönliche Bekanntschaft mit peer-Beraterin Frau Oana Iusco, die selbst Stimmen hört, erhielt ich einen völlig anderen Blick auf diese Phänomene sowie Einblick in eine weltweit tätige Stimmenhör-Bewegung! (www.intervoiceonline.org.)
Ziel dieser Bewegung ist es einerseits, das Krankheitsbild der "Schizophrenie" zu entstigmatisieren bzw. infrage zu stellen. Andererseits werden Stimmen/Visionen (Halluzinationen) nicht als krankhafte Symptome gesehen sondern als eine Variation der seelischen Verarbeitung und des menschlichen Erlebens. Der Ansatz in der Begleitung von stimmenhörenden Menschen ist dabei explizit kein therapeutischer sondern ein begleitender und beratender.
Es geht darum, sich offen und bewusst mit den eigenen Phänomenen auseinanderzusetzen. Wichtige Fragen dabei sind: "Wann hörte ich zum ersten Mal Stimmen?" "In welchen Lebensumständen befand ich mich damals?" "Worauf möchten mich meine Stimmen/Visionen/Empfindungen womöglich hinweisen?" "Wie kann ich einen guten Umgang mit meinen Stimmen/Visionen/Empfindungen finden?"
Eine gute Unterstützung in der Begleitung von Menschen mit "außergewöhlichen Wahrnehmungen" bietet in meiner Beratung der professionelle Leitfaden "Stimmenhören verstehen" sowie der "Maastrichter Fragebogen", entwickelt von Dr. Marius Romme und Sandra Escher.
